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Sonderausstellung "Die Gerufenen - Deutsches Leben in Mittel- und Osteuropa"

Vom 1. Juli bis 16. September ist im Haus der Geschichte eine Wanderausstellung des Bund der Vertriebenen zu sehen.

Unzufriedenheit mit den Lebensbedingungen in der alten Heimat und die Hoffnung auf günstigere Verhältnisse am Neubeginn bewegten und bewegen Menschen zur Auswanderung. Vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war dies auch bei vielen Deutschen der Fall. Besonders in Gebieten, wo durch Realteilung die Hofflächen im Laufe der Generationen klein geworden waren. Mit 800 Jahren Auswanderungsgeschichte und Neuanfang befasst sich die Sonderausstellung „Die Gerufenen“, die am 30. Juni eröffnet wird. Geografisch gelangt halb Europa in den Blick: von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und vom Böhmerwald zum Kaukasus. In den Gebieten, die nicht zum 1871 begründeten Deutschen Reich gehörten, siedelten Deutsche zusammen mit anderen Völkern, ethnischen und religiösen Grup-pen, die in den multiethnischen Regionen über einen langen Zeitraum friedlich zusammenlebten. Es entstand eine Vielfalt an städtischen und ländlichen Formen.
Die deutsche Ostsiedlung begann im Mittelalter und erfolgte meist friedlich. Zu ihren Pionieren gehörten die Mönchsorden, insbesondere die Zisterzienser. Bauern, Kaufleute und Handwerker wurden von Herrschern oder lokalen Grundherren angeworben. Strukturschwache Gebiete sollten durch die neuen Bewohner gefördert, Grenzen gesichert werden. Weitreichende Privilegien dienten als Anreiz. Dazu gehörten befristete Steuerfreiheit, Religionsfreiheit, Befreiung von Militärdiensten und das Privileg, nach eigenem Recht zu leben. Daneben wurde den Siedlern neben Land auch Baumaterial, Saatgut und Vieh zur Verfügung gestellt. Oft entsprachen die tatsächlichen Verhältnisse vor Ort aber nicht den gegebenen Versprechungen. Die bäuerlichen Siedler kamen meist über Land und über schlechte Straßen; die Reise konnte viele Wochen, ja Monate dauern. Für die Auswanderung nach Südosteuropa wurde hingegen die Donau zum wichtigsten Reiseweg. Von Ulm aus zogen ganze Familienverbände los auf leicht gebauten, hölzernen Lastkähnen von ungefähr zwanzig Metern Länge, den so genannten Ulmer Schachteln. Bis zu 150 Menschen fanden auf ihnen Platz. In Wien wurden die Auswanderer auf andere Donauschiffe verteilt. Trotz Epidemien, Hitze, Kälte und Schiffbrüchen gelangte der große Teil der Passagiere über den Mittleren Donauraum bis hin zur russischen Grenze.