Haus der Geschichte (Druckversion)

Fromme und tüchtige Leute ... Die deutschen Siedlungen in Bessarabien (1814 - 1940)

Mit der Osterweiterung der EU und vor allem mit den politischen Umbrüchen in der Ukraine hat sich  der Blick in Richtung Südosteuropa geändert. Den Fokus auf diese Region richtet die Ausstellung „Fromme und tüchtige Leute ...“ vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, die am Samstag, 5. Oktober eröffnet wird.
Bessarabien gehört heute teils zur Ukraine, teils zur Republik Moldau. In beiden Ländern stößt die Wiederentdeckung der verschütteten Geschichte, darunter auch die der deutschen Minderheit, auf großes Interesse, wie die beiden Kuratoren Dr. Ute Schmidt und Professor Dr. Ulrich Baehr erläutern.

Im Jahr 1812 lud Zar Alexander I. deutsche Siedler ein, sich in Bessarabien niederzulassen, und versprach ihnen Land und Freiheitsrechte. Die Einwanderer stammten überwiegend aus Südwestdeutschland und aus Preußen. Im Laufe der 125-jährigen Siedlungsgeschichte entwickelten die Deutschen hier ein prosperierendes Gemeinwesen, das durch lokale Autonomie und eine religiös-pietistisch grundierte Ethik geprägt war. Als kleine Minderheit in einer bunten Vielfalt ethnischer und religiöser Gemeinschaften lebten  sie mit Moldauern, Russen, Ukrainern, Bulgaren, Juden und anderen Gruppen in friedlicher Nachbarschaft. Während des Ersten Weltkriegs entgingen sie nur knapp der Deportation nach Sibirien. 1918 kam Bessarabien unter rumänische Oberhoheit. 1940 wurde als Folge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes 93 500 Deutsche aus Bessarabien aus- und 1941/ 42 größtenteils im besetzten Polen angesiedelt. Anfang 1945 mussten sie von dort flüchten und sich im geteilten Deutschland eine neue Existenz schaffen.

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